Die Pluralbildung der Substantive


Die Pluralbildung der Substantive
§ 26. Die meisten deutschen Substantive erhalten im Plural ein grammatisches Merkmal der Mehrzahl — das Pluralsuffix, welches in allen Kasusformen des Substantivs auftritt. Dadurch unterscheidet sich ein Pluralsuffix von einer Kasusendung, denn letztere wechselt von Kasus zu Kasus oder bleibt auch ganz aus. Vgl.:
Im Deutschen gibt es vier Arten der Pluralbildung:
1. mit dem Suffix -e (mit bzw. ohne Umlaut);
2. mit dem Suffix -e(n) (ohne Umlaut);
3. mit dem Suffix -er (mit bzw. ohne Umlaut);
4. ohne Pluralsuffix (mit bzw. ohne Umlaut)
§ 27. Das Suffix -e (mit bzw. ohne Umlaut) ist für die Maskulina typisch: der Stuhl — die Stühle, der Stock — die Stöcke, der Schrank — die Schränke; der Tag — die Tage, der Abend — die Abende, der Hund — die Hunde, der Monat — die Monate u. a. m.
Das Suffix -e (ohne Umlaut) erhalten folgende Fremdwörter und internationale Wörter männlichen Geschlechts: a) Wörter mit der betonten Endsilbe -ier: Pionier, Passagier, Offizier, -eur: Ingenieur, Friseur, Kommandeur, -ar: Jubilar, Bibliothekar, Kommissar; -är: Sekretär, Milizionär, Revolutionär; -al: Admiral, General (auch Generäle); b) die Wörter: der Dekan, Major, Leutnant (auch Leutnants), Spion, Charakter, Katalog, Monolog, Dialog, Epilog, Apparat, Moment, Dialekt, Vokal.
Das Suffix -e (mit Umlaut) erhalten folgende Fremdwörter männlichen Geschlechts: der Marschall — die Marschälle, der Palast — die Paläste, der Kanal — die Kanäle, der Paß — die Pässe, der Ton — die Töne, der Chor — die Chöre.
Das Suffix -e (ohne Umlaut) erhalten viele Neutra (meist einsilbige): das Ding — die Dinge, auch das Heft, das Jahr, das Meer, das Schiff, das Gedicht, das Gesetz u. a.; aber: das Floß — die Flöße.
Merke: die Neutra auf -nis verdoppeln das s im Plural: das Gefängnis — die Gefängnisse, das Ereignis — die Ereignisse.
Das Suffix -e (ohne Umlaut) erhalten die meisten Fremdwörter und internationalen Wörter sächlichen Geschlechts: das Dokument — die Dokumente, das Diktat — die Diktate, das Diplom, das Institut, das Problem, das Exemplar, das Projekt, das Telegramm, das Metall, das Modell, das Attribut, das Prädikat, das Objekt, das Subjekt, das Adjektiv, das Substantiv u. a.
Das Suffix -e (mit Umlaut) erhalten folgende einsilbige Feminina: die Bank — die Bänke, auch die Angst, die Axt, die Braut, die Brust, die Faust, die Frucht, die Gans, die Gruft, die Hand, die Haut, die Kraft, die Kluft, die Kuh, die Kunst, die Laus, die Luft, die Lust, die Macht, die Magd, die Maus, die Nacht, die Naht, die Not, die Nuß, die Sau, die Schnur, die Stadt, die Wand, die Wurst, die Zunft.
Das Suffix -e (ohne Umlaut) erhalten die Feminina auf -nis, auch sie verdoppeln das s im Plural: die Kenntnis — die Kenntnisse, die Besorgnis — die Besorgnisse.
§ 28. Das Suffix -(e) ist für die Feminina typisch: die Zeitung — die Zeitungen, die Tafel — die Tafeln, die Schwester — die Schwestern, die Uhr — die Uhren, die Tat — die Taten u. a. m.
Merke: 1. Das Suffix -n erhalten die Feminina auf -e, -er, -el.
2. Die Feminina auf -in verdoppeln das n im Plural: die Lehrerin — die Lehrerinnen.
Das Suffix -en erhalten alle Fremdwörter und internationalen Wörter weiblichen Geschlechts: die Universität — die Universitäten, die Nation — die Nationen, die Partei — die Parteien, die Republik — die Republiken, die Linie — die Linien u. a. m.
Das Suffix -(e)n erhalten auch:
1. alle Maskulina der schwachen Deklination (auch die Fremdwörter und die internationalen Wörter, s. § 36): der Hase — die Hasen, der Held — die Helden, der Herr — die Herren; der Student — die Studenten; der Laborant — die Laboranten, der Pilot — die Piloten, der Kommunist — die Kommunisten, der Philolog(e) — die Philologen, der Ungar die Ungarn, der Kamerad — die Kameraden, der Architekt — die Architekten, der Planet — die Planeten.
2. folgende Maskulina: der Dorn — die Dornen, der Lorbeer — die Lorbeeren, der Mast — die Masten, der Nachbardie Nachbarn, der Schmerz — die Schmerzen, der See — die Seen, der Staat — die Staaten, der Stachel — die Stacheln, der Strahl — die Strahlen, der Vetter — die Vettern;
3. folgende Maskulina mit der Genitivendung -(e)ns im Singular: der Buchstabe — die Buchstaben, der Fels — die Felsen, der Funke — die Funken, der Gedanke — die Gedanken, der Name — die Namen, der Same — die Samen.
4. folgende Fremdwörter der starken Deklination: der Nerv — die Nerven, der Muskel — die Muskeln; auch die Fremdwörter auf -or (im Plural wird diese Silbe betont): der 'Doktor — die Dok'toren, der 'Traktor — die Trak'toren u. a. m.
Das Suffix -(e)n erhalten folgende Neutra: das Auge — die Augen, auch das Bett, das Hemd, das Ende, das Herz, das Ohr, folgende Fremdwörter sächlichen Geschlechts: das Insekt — die Insekten, auch das Interesse, das Juwel, das Statut, das Verb.
§ 29. Das Suffix -er (mit Umlaut) ist für die Neutra typisch: das Buch — die Bücher, das Ei — die Eier, das Tal — die Täler, das Volk — die Völker, das Geschlecht — die Geschlechter u. a. m. Auch zwei Fremdwörter sächlichen Geschlechts erhalten das Suffix -er: das Regiment — die Regimenter, das Hospital — die Hospitäler (auch Hospitale).
Das Suffix -er (mit Umlaut) erhalten folgende Maskulina: der Mann — die Männer, auch der Geist, der Gott, der Leib, der Mund, der Rand, der Strauch, der Vormund, der Wald, der Wurm, der Irrtum, der Reichtum.
§ 30. Kein Pluralsuffix, (mit bzw. ohne Umlaut) haben die Maskulina auf -er, -el, -en: der Vater — die Väter, der Apfel — die Äpfel, der Garten — die Gärten; der Adler — die Adler, der Hobel — die Hobel, der Balken — die Balken.
Weder Suffix noch Umlaut haben im Plural die Neutra auf -er, -el, -en, -chen, -lein und auf -e mit dem Präfix ge-: das Messer — die Messer, das Mittel — die Mittel, das Zeichen — die Zeichen, das Mädchen — die Mädchen, das Büchlein — die Büchlein, das Gebäude — die Gebäude u. a. (Ausnahme: das Kloster — die Klöster).
Kein Suffix (aber den Umlaut) erhalten zwei Feminina: die Mutter — die Mütter, die Tochter — die Töchter.
§ 31. Besondere Pluralformen. Manche Substantive erhalten im Plural das Suffix -s. Das sind:
1. mehrere Fremdwörter männlichen und sächlichen Geschlechts (meist französischen Ursprungs): der Chef — die Chefs, der Park — die Parks (auch Parke), der Leutnant — die Leutnants (auch Leutnante), der Klub — die Klubs, der Militär — die Militärs, der Tank — die Tanks; das Cafe — die Cafes, das Auto — die Autos, das Hotel — die Hotels, das Kino — die Kinos, das Komitee — die Komitees, das Komma — die Kommas (auch die Kommata) u. a.;
2. manche Buchstabenwörter sowie manche substantivierten Wörter und Buchstaben: die MGs, die Flaks, die Abers, die Achs, die Warums, die Bs.
Hier im Stall stehen noch unsere beiden schweren MGs. (E. Weinert)
„Ja, warum nicht?“ sagt Wernicke. „Das frage ich mich auch oft. Warum operiert man Kranke, von denen man weiß, daß die Operation doch nicht helfen wird? Wollen wir eine Liste der Warums aufstellen?...“ (E. M. Remarque)
Und er blieb bei einem Wandspiegel stehen, der sich, dem Druck auf eine Feder gehorchend, beiseite schob und überraschend den Blick auf eine enge Wendeltreppe mit fein durchbrochenem Geländer freigab... Es gab Aha's und Oho's. (Th. Mann)
3. Eigennamen, besonders Personennamen, wenn die Familie gemeint ist: „Buddenbrooks“ von Thomas Mann;
Linsers und Kegels sind seit zehn Jahren Nachbarn Wand an Wand. (K. Grünberg)
Die Marnets verkauften gewöhnlich unregelmäßig auf einem Straßenmarkt in Höchst. (A. Seghers)
Es gibt ja wohl unter diesem Dach noch ein paar Hermanns mehr. (A. Seghers)
Solche geplagten Liesels, an alle Unbill gewöhnt, haben meistens Mut. (A. Seghers)
4. Wörter niederdeutscher Herkunft (auch die hochdeutsche Pluralform auf -e ist gleichberechtigt): das Wrack — die Wracks (Wracke), das Dock — die Docks (Docke), der Knick — die Knicks (Knicke);
5. einige Personenbezeichnungen, auch in der Verkleinerungsform (nur im umgangssprachlichen Gebrauch): der Junge — die Jungens (Jungen), das Mädel — die Mädels (Mädel), das Fräulein — die Fräuleins (Fräulein), der Kerl — die Kerls (Kerle), der Bengel — die Bengels (Bengel), der Kumpel — die Kumpels (Kumpel); die Mutti — die Muttis, der Vati — die Vatis.
Vom Rathausmarkt herauf zieht ein Trupp Jungens und Mädels des Jugendbundes... (W. Bredel)
Nein, sein Geschmack waren solche hundsmageren, hocharistokratischen Fräuleins nicht... (L. Feuchtwanger)
Die Bengels hören alles!“ (W. Bredel)
Manche Fremdwörter und internationale Wörter sächlichen Geschlechts auf -a, -um bzw. -ium verlieren im Plural das -a bzw. -um und bekommen das Suffix -en: das Drama — die Dramen, das Thema — die Themen (auch Themata), das Dogma — die Dogmen; das Datum — die Daten; das Auditorium — die Auditorien u. a.
Folgende Fremdwörter und internationale Wörter sächlichen Geschlechts erhalten das Pluralsuffix -ien: das Adverb — die Adverbien, das Adverbial(e) — die Adverbialien, das Kapital — die Kapitalien, das Material — die Materialien, das Mineral — die Mineralien, das Partizip — die Partizipien, das Prinzip — die Prinzipien.
Die mit -mann zusammengesetzten Substantive bekommen im Plural -leute bzw. -männer. Berufsbezeichnungen bilden den Plural meist auf -leute: der Bergmann — die Bergleute, der Seemann — die Seeleute, der Kaufmann — die Kaufleute; auch: der Landsmann — die Landsleute, der Fachmann — die Fachleute. Andere Substantive bilden den Plural auf -männer: der Schneemann — die Schneemänner, der Staatsmann — die Staatsmänner, der Strohmann — die Strohmänner, der Ehemann — die Ehemänner (aber: die Eheleute = Ehemann und Ehefrau).
Manche Substantive bilden ihren Plural mit Umschreibung durch andere stammverwandte Wörter: der Betrug — die Betrügereien, der Rat — die Ratschläge, der Streit — die Streitigkeiten, der Schmuck — die Schmucksachen, der Stock — die Stockwerke; das Lob — die Lobsprüche, das Versprechen — die Versprechungen; das Bestreben — die Bestrebungen.
Merke die Pluralformen folgender Fremdwörter: der Typus — die Typen, der Kasus — die Kasus, der Kursus — die Kurse, der Modus — die Modi, das Stadion — die Stadien, das Studio — die Studien, das Genus — die Genera, das Tempus — die Tempora, das Klima — die Klimata, das Theater — die Theater.
Männliche und sächliche Maß- und Mengenbezeichnungen, in Verbindung mit Zahlenangaben gebraucht, stehen im Singular: zwei Glas Wasser, vier Sack Mehl, fünf Grad Wärme, drei Paar Schuhe, zwei Stück Brot; aber: fünf Flaschen Wein, zwei Tassen Tee, drei Millionen Einwohner, vier Portionen Fleisch.
Das Maskulinum „der Mann“ kennt neben der Pluralform „Männer“ noch die alte suffixlose Form „Mann“; sie wird nach Zahlenangaben gebraucht.
Die Preußen allein sollten siebzigtausend Mann stark sein. (W. Bredel)
§ 32. Die Pluralformen der gleichlautenden Substantive und die doppelten Pluralformen. Es gibt im Deutschen gleichlautende Substantive ein und desselben Geschlechts, die verschiedene Bedeutung und entsprechend verschiedene Pluralformen haben. Das sind:
Singular
das Band (zum Binden)
das Band (der Liebe, Freundschaft; Fesseln)
die Bank (zum Sitzen)
die Bank (Geldinstitut)
das Ding (Gegenstand)
das Ding (Umgangssprache: kleiner Gegenstand; scherzhaft auch junges Wesen)
das Gesicht (Antlitz)
das Gesicht (Erscheinung)
das Licht (Kerze)
das Licht (Flamme, Lichtquelle)
der Mann
der Mann (Vasall)
der Rat (Amtsperson)
der Rat (Ratschlag)
der Stock (Stab)
der Stock (Stockwerk)
der Strauß (Vogel)
der Strauß (Blumenstrauß oder Kampf)
das Tuch (fertige Ware: Handtuch, Taschentuch usw.)
das Tuch (Stoffart)
das Wort (einzeln genommen)
das Wort (zusammenhängende Rede)
Plural
die Bänder
die Bande
die Bänke
die Banken
die Dinge
die Dinger
die Gesichter
die Gesichte
die Lichte
die Lichter
die Männer
die Mannen
die Räte
die Ratschläge
die Stöcke
die Stockwerke
die Strauße
die Sträuße
die Tücher
die Tuche
die Wörter
die Worte
Einige Substantive haben eine doppelte Pluralform (ohne Bedeutungsunterschied). Das sind: der Fleck — die Flecke, die Flecken; der Pantoffel — die Pantoffel, die Pantoffeln; der Stiefel — die Stiefel, die Stiefeln; das Denkmal — die Denkmäler, die Denkmale.

Грамматика немецкого языка. 2-е издание. .

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